Das Aikidōkan Wappen

tomoe (巴 „kreis-, wirbelförmig“): Ein klassisches japanisches Muster, das ursprünglich im Zusammenhang mit dem Glauben an Drachengottheiten steht. Als solches, heißt es, rufe es Wasser herbei und wird deshalb als Schutz vor Blitzeinschlag und Feuer auf Dachziegeln von Shintō-Schreinen verwendet. Das tomoe-Muster findet man seit alters her in vielen Gegenden Zentralasiens und anderswo, z.B. auch auf Bronzegefäßen der Skythen. Das Muster erscheint in vielen Variationen in japanischen Familienwappen, das hier verwendete ist der „dreifache, rechtsdrehende Wirbel im Kreis“. Bekannter ist natürlich die Variation als Yin-Yang-Symbol, der schwarz-weiße zweifache Wirbel.

Dieses Zeichen wurde aus mehreren Gründen zum Wappen des Aikidōkan Berlin erkoren. Erstens stellt es sehr schön die typischen kreis- bzw. wirbelförmigen Bewegungen im Aikidō dar. Zweitens impliziert seine Verwendung als Schutzsymbol vor Blitzen und Feuer auch die Bedeutung als Schutz vor Gefahr und Gewalt. Genau so setzt sich übrigens das Zeichen bu (武) in budō (武道 die „kämpferischen Wege“, die Kampfkünste) aus den Bestandteilen für „die Hellebarde“ und „anhalten“ zusammen und bedeutet im übertragenen Sinne „der Gewalt ein Ende setzen“. Im Aikidōkan Berlin soll das tomoe-Wappen darüber hinaus die Dialektik von Geist, Technik und Körper (心技体 shin-gi-tai) symbolisieren, denn These und Antithese von Körper und Geist sollen im Aikidō durch das Üben der Techniken miteinander in Einklang gebracht und transzendiert werden. (Siehe hierzu auch den Artikel „Aikidō ist … Dialektik des Kämpfens“.)

(Autor: Max Seinsch)